Stationäre Polysomnographie

(Griech.) Poly-: viel, Somnos: Schlaf

Was ist eine Polysomnographie?

Die Polysomnographie ist eine sehr umfangreiche Untersuchungsmethode des Schlafes, der sogenannte Goldstandard in der Schlafmedizin. Sie findet stationär in einem Schlaflabor statt und misst Schlaftiefe, -verlauf und -qualität. Der Patient wird über eine oder mehrere Nächte auf die unterschiedlichsten Körperfunktionen hin getestet wie beispielsweise auf die Hirnaktivität (EEG, Elektroencephalogramm), Elektrokardiogramm (EKG), Herzfrequenz, Atmungsaktivitäten und -geräusche, Muskelspannung, Augenbewegungen, Körperlage und -bewegung, Körpertemperatur sowie Sauerstoffsättigung des Blutes. Die Gesamtheit der aufgezeichneten Werte ergeben ein sehr genaues Schlafprofil des Patienten und lässt verlässliche Rückschlüsse auf die Schlafstörung zu.

Wann ist eine stationäre Polysomnographie erforderlich?

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) hat verschiedene Erkrankungen festgelegt, die zu einer Überweisung des Patienten in ein Schlaflabor führen können. Da die Diagnostik über eine stationäre Polysomnographie ein sehr aufwändiges Verfahren ist, wird sie erst dann eingesetzt, wenn die Schlafstörungen nicht durch einfachere diagnostische Methoden oder ambulant durchführbare Analyseverfahren eindeutig ermittelt werden können. Oft handelt es sich dabei um Schlafstörungen mit innerer Ursache.

Vorbereitungen und Ablauf

Die Behandlung wird stationär in unserem Heidelberger Schlaflabor durchgeführt. Der Patient wird dazu mit Elektroden und Sensoren von Kopf bis Fuß verkabelt, in dem diese über einen hautfreundlichen Spezialkleber auf die Haut angebracht werden. Sensoren an Mund und Nase registrieren den Atemfluss, Dehnungsgurte um Brustkorb und Bauch messen die Atemanstrengung und zusätzliche Elektroden am Brustkorb die Herzfrequenz. Der Sauerstoffgehalt wird über einen Sensor an Finger oder Ohrläppchen erfasst. Der Patient kann und soll sich während der Registrierphase aber ganz normal bewegen können; die Bewegungsfreiheit wird nur minimal eingeschränkt. Während der gesamten Untersuchungszeit ist Überwachungspersonal anwesend und es steht ein ärztlicher Notdienst bereit.

Der Schlaf ist ein komplexer Prozess, bei dem das neuronale Netz teilweise hochaktiv ist und beinahe alle Körperfunktionen über die verschiedenen Phasen von Wachzustand (Übergang vom Wachen zum Schlafen), Traumschlaf (REM-Schlaf), Leichtschlaf (nonREM-Schlaf) und Tiefschlaf (non-REM-Schlaf) stark beeinflusst. Die Aufzeichnungen aus dem Polysomnogramm erlauben es, das jeweilige Schlafstadium zu identifizieren und eventuelle Störungen zuzuordnen.
Die Auswertung des umfangreichen Datenmaterials ist ebenso ein arbeitsintensiver Prozess. Der Schlafmediziner analysiert und bewertet in der Regel mehrere Hundert Seiten mit den unterschiedlichsten Ergebnissen, die er in seine Bewertung mit einfließen lässt. Bestätigt sich der Verdacht auf eine Schlafstörung, bespricht der behandelnde Schlafexperte diese mit dem Patienten und erstellt ein individuelles Therapieschema.

Dauer

Die Dauer des Aufenthaltes wird durch die Art der zu untersuchenden Schlafstörung bestimmt und variiert von einer bis zu maximal drei Nächten.

Risiken

Keine. Die Anbringung der Technik und die Durchführung ist mit keinerlei Schmerz verbunden.

Zu beachten

An dem Tag, an dem der Patient den Termin im Schlaflabor hat, sollten er ab 14 Uhr auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Tee, Cola (auch Cola light) verzichten und tagsüber nicht schlafen. Um die Elektroden am Kopf gut anbringen zu können, sollte der Patient mit frisch gewaschenen Haaren ins Schlaflabor kommen und an diesem Tag kein Haarspray, -gel oder -öl verwenden.




Das Schlafprofil eines Gesunden bei Nacht (Schematische Darstellung):

Schlafzyklus, Heidelberger Schlaflabor